Lage Schloss Kuckuckstein
Schloss Kuckuckstein in Liebstadt liegt malerisch auf einem Felsvorsprung (380 m ü. NN) über dem Flusstal der Seidewitz an einem für die Kontrolle des Handelsweges vom Elbtal über das Osterzgebirge nach Böhmen sehr günstigen Standort.
Liebstadt liegt ungefähr 15 km südwestlich von Pirna im Freistaat Sachsen in einem Tal zwischen den tiefgeschnittenen Tälern der Gottleuba und der Müglitz etwa auf gleicher Höhe wie Bad Gottleuba und Glashütte. An dieser Stelle gehen Molchgrund und Hennersbacher Grund in das Seidewitztal über. Das Schloss thront auf einem Felsen ungefähr 50 m über dem Marktplatz von Liebstadt.
Über die Schlosstreppe oder die Zufahrtsstraße zum Schlosshang erreicht man über eine Zugbrücke das eigentliche Schloss. Bergfried, Torhaus und ein Verbindungsbau umschließen einen ersten kleinen Hof. Über einen schmalen Durchgang gelangt man in den großen Hof, der vom „Tafelhaus“ (Hauptgebäude) im Südwesten, dem „Wasserhaus“ im Südosten und dem Küchengebäude mit Wehrgang im Nordosten gebildet wird.
Das Schloss wurde auf vier Ebenen gebaut. Die unterste (Keller und Mantelgewölbe im Tafelhaus) und die zweite Ebene sind teilweise in den Felsen gehauen. Die Dritte ist die Hauptebene, die sich auf der Höhe der Zugbrücke befindet. Die vierte Ebene umfasst neben den Obergeschossen auch den im dritten Gewölbe des Burgfrieds gelegenen „Rittersaal“ und die darüber befindliche „Kapellstube“.
Geschichte
Das Schloss wurde urkundlich erstmals im Zusammenhang mit der Belehnung von Günther und Heinrich von Bünau durch Friedrich den Jüngeren (Landgraf von Sachsen und Markgraf von Meißen) am 4. September 1410 erwähnt. Dies geschah im Ergebnis der Dohnaischen Fehde, in der die Burggrafen von Dohna gegen den Markgraf von Meißen untergingen und ihre Besitztümer in der Burggrafschaft Dohna (u. a. auch Liebstadt) gänzlich verloren. Die Brüder von Bünau wurden mit dieser Belehnung für ihre militärischen Verdienste für den Markgrafen in dieser Fehde unter anderem mit Schloss Weesenstein (1406) und Liebstadt (1410) belohnt. Man kann aber davon ausgehen, dass Siedlung und Schloss (in der Entstehungszeit wohl eher eine Burg) wesentlich früher entstanden sind. Überlieferungen gehen sogar davon aus, dass die Burg bereits 930 bis 940 unter Heinrich I. als Grenzfeste erbaut wurde.
Der Name „Kuckuckstein“ findet sich erstmals 1791 in einem alphabetischen Verzeichnis aller „Schrift- und Amtssässigen“ im Kurfürstentum Sachsen. Es ist auch bei diesem Namen unklar, seit wann er verwendet wurde. Da der Kuckuck bis in das 16. Jahrhundert als „Gauch“ bezeichnet wurde, müsste das Schloss bis dato eigentlich „Gauchstein“ geheißen haben. Der Kuckuck war im Mittelalter auch Wappentier und stand für Wachsamkeit - im Gegensatz zum Löwen (Wildheit – Burg Lauenstein oder Löwenstein) und dem Bären (Kraft – BurgBärenstein). Dies könnte erklären, warum die Bünaus nach der Zerstörung der Burg während der Dohnaischen Fehde (1385 – 1402) diesen Namen nicht mehr verwendet haben.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Liebstadt wie viele deutsche Ortschaften oft von Söldnern heimgesucht. 1643 wurde das Schloss von Kaiserlich-Hatzfeldschen Söldnern gestürmt und geplündert.
Über 200 Jahre befand sich das Schloss im Besitz der Familie von Bünau. Erst 1775 erstand der KreiskommissarHans Carl August von Carlowitz das Schloss. Die Familie von Carlowitz blieb bis 1931 im Besitz des Kuckucksteins. Unter den Mitgliedern dieser Familie befanden sich in dieser Zeit ein Reihe körperlich und geistig hoch begabter Vertreter. Deshalb zog in das Schloss auch ein neues geistiges und geselliges Leben ein. Das Schloss wurde wohnlicher gestaltet und im Geschmack der Romantik teilweise neu ausgestattet. Auch war zum Beispiel 1798 Novalis als Freund der Familie Gast auf Schloss Kuckuckstein. Darüber hinaus bekannte sich der Besitzer zur Freimaurerei. Gleichzeitig unterstützte Carl Adolf auch Heinrich von Kleist bei der Herausgabe der Zeitschrift „Phöbus“. 1800 wurde im Schloss eine Freimaurerloge eingerichtet, die mit geheimnisvollen, frühromantischen Malereien ausgestaltet wurde.
Die Kämpfe zwischen russischen und französischen Truppen sowie ihren Verbündeten während der Koalitionskriege Anfang des 19. Jahrhunderts führten zwischen Erzgebirge und Elbe zu einer Vielzahl von Scharmützeln. In diesem Zug übernachtete am 9. September 1813 Napoléon I. Bonaparte im Schloss, nachdem er von den Höhen nördlich von Liebstadt den Rückzug des Gegners beobachtet hatte. Seine Streitmacht verfügte noch über 400.000 Franzosen, die in Stadt und Umgebung lagerten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Schloss enteignet, kam in Volkseigentum und wurde seit 1952 von der Stadt Liebstadt verwaltet. 1954 wurde das Museum eingerichtet. Dieses verfügt heute noch über eine Reihe interessanter Gegenstände aus der Freimaurerei (Logenabzeichen, Freimaurerschurze oder Notgeld) sowie über Ölgemälde, die Logenbrüder aus den sächsischen Logen darstellen.
Sechs Jahre lang, von 1985 bis 1991, wurde der Rittersaal auch als Rahmen für die Fernsehsendung des DEFA "Zauber auf Schloss Kuckuckstein" mit dem Zauberpeter Dr. Peter Kersten genutzt. Dieser restaurierte Saal dient seit 1994 dem Standesamt Bad Gottleuba-Berggießhübel als Kulisse für romantische Hochzeiten, und kann auch für andere Feierlichkeiten gemietet werden.
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